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Leserstimmen zu "Sommer in Atlantikblau"

"Einfach nur traumhaft"

"Das Buch des Sommers"

"Ein Roman wie eine perfekte Sommerbrise"

 

Leserstimmen zu "Mein Ex, die Ewige Stadt und Ich"

"Perfekt zum Abtauchen, Wegträumen und ab und an auch zum Schmunzeln"

Pressestimmen zu "Storchenhelfer"

"Mit STORCHENHELFER spricht Miriam Covi das eher ungewöhnliche Thema der künstlichen Befruchtung an, das sie aber mit einer Menge Humor und dem nötigen Funken Romantik liebevoll verpackt. (...) So ist der Autorin ein unterhaltsamer Liebesroman gelungen, der einen mit den Protagonisten mitlachen und mitleiden lässt, bis er nach vielen Hochs und Tiefs mit dem lang erwarteten Happy-End belohnt wird." LoveLetter, Mai 2015

Leserstimmen zu "Storchenhelfer"

 "Eigentlich ist es ein ernstes Thema, unerfüllter Kinderwunsch. (...) Darf man darüber lachen? Wenn es so liebevoll verpackt ist, wie in diesem Buch, wenn es dann noch ein Happy End gibt, dann darf man!"

Leserstimmen zu "Eine Lüge, die Liebe, meine Familie und ich"

"Was für ein toller Roman - romantisch, lustig und trotz allem auch nachdenklich - ich bin völlig begeistert!"

Arrivederci, Roma!

Veröffentlicht am 29.06.2015

Und plötzlich sind es nur noch wenige Tage, die wir in Rom haben und dies ist mein letzter römischer Blogeintrag. Ende dieser Woche werden die Kinder und ich (hoffentlich) bereits an einem Waldsee in der kanadischen Ostküstenprovinz Nova Scotia sitzen und uns vom Stress der letzten Tage in Italien erholen, während Marco in unserer römischen Wohnung aufpassen wird, dass die Möbelpacker unser Hab und Gut vernünftig verpacken für die lange Reise nach Bangladesch.

Ich habe mal gehört, dass Diplomaten, Soldaten und viele andere, die regelmäßig von ihrem Arbeitgeber in der Welt herumgeschickt werden, aus einem bestimmten Grund höchstens vier Jahre in einem Land bleiben sollen: Der Mensch braucht ungefähr vier Jahre, bis er sich an einem fremden Ort wirklich heimisch fühlt. Nach vier Jahren also, so die Logik hinter der Versetzungs-Strategie, wird es Zeit für einen neuen Ortswechsel, sonst fällt das Abschiednehmen zu schwer.

Ich muss zugeben, ich habe mich während der letzten vier Jahre in Rom nicht immer wohl gefühlt. Das lag zum großen Teil daran, dass ich mich häufig nicht leicht von A nach B fortbewegen konnte. Unser Auto kauften wir erst nach unserem zweiten Jahr in Rom, als ich zum zweiten Mal schwanger war. Anfangs bin ich nur zögerlich selbst gefahren, habe nach Möglichkeit viel zu Fuß gemacht. Auf meinen Spaziergängen mit unserem langen Geschwisterkinderwagen wurde mir bewusst, dass Rom weitaus mehr als nur sieben Hügel hat. Hügelauf, hügelab, hier ein Schlagloch umrunden, dort den schweren Kinderwagen rückwärts eine nicht abgesenkte Bordsteinkante hochwuchten: besser als jedes Fitnessstudio!

Irgendwann wurde es mir zu blöd. Ich begann, mich immer öfter mit Kindern und Kegel und unserem treuen Ford Galaxy in den verrückten römischen Verkehr zu stürzen. Ich ärgerte mich furchtbar über egoistisches Fahrverhalten, scheinbar lebensmüde Rollerfahrer, über Schlaglöcher in der Straße und fehlende Beschilderung. Und hin und wieder auch über unser Navi, das nicht immer den richtigen Weg fand. Wobei das Problem ja bekanntlich oft vor dem Gerät sitzt. Wie neulich, als ich zu meiner Freundin Kim ins Stadtviertel San Giovanni fahren wollte, eine Strecke, die ich inzwischen eigentlich im Schlaf finde. Allerdings startete ich nicht von daheim, sondern vom Bahnhof Termini aus, wo ich gerade meine Eltern abgesetzt hatte. Kein Problem, Kims Adresse war im Navi gespeichert, ich folgte gut gelaunt und, wie ich rückblickend zugeben muss, blind den Anweisungen, bis ich mich am Circo Massimo wiederfand und zu meinem Erstaunten hörte „Sie haben Ihr Ziel erreicht.“ Ich war mir ziemlich sicher, dass Kim nicht am Circo Massimo wohnt und stellte ein paar genervte Klicks durch den Apparat später fest, dass beim Speichern der Adresse etwas schief gelaufen war: Die Adresse unter „Kim“ bezog sich auf die Bar, wo Marco und ich vor ein paar Monaten mit Kollegen etwas getrunken hatten… Ich brauchte an jenem Nachmittag also etwas länger zu meiner Freundin.

Aber: Ich wurschtelte mich durch, wie so oft in den letzten Monaten, wenn ich, trotz Navi, die unmöglichsten Umwege gefahren bin und trotzdem immer irgendwie mein Ziel und dann sogar meistens einen Parkplatz gefunden habe. Und ich stellte fest: Rom kann so schön sein, wenn man einfach mit dem eigenen Wagen von A nach B fährt, anstatt sich über unpünktliche oder völlig überfüllte oder streikende Busse und U-Bahnen zu ärgern! Wie sehr wünsche ich mir im Nachhinein, dass ich nicht erst in den letzten Monaten so viel mit dem Auto unterwegs gewesen wäre. Vielleicht hätte ich dann schon früher an einem normalen Wochentag einen spontanen Strandausflug gemacht, so wie vorletzte Woche, als eine kanadische Freundin und ich uns mit Kindern und Navi auf den Weg nach Fregene machten und einen stürmischen aber wunderschönen Tag am Meer verlebten…

Unsere letzten Wochen hier in Rom waren sehr ausgefüllt, und zwar nicht nur wegen der Einkaufstouren vor Ort und im Internet, bei denen wir wichtige Dinge wie Waschmaschine, Windeln, Kühlschrank und Kinderschuhe erstanden. Nicht zu vergessen die Fünf-Kilo-Säcke Pasta und der Vorrat an Dosen-Tomaten (ja, wir sind inzwischen recht italienisiert…). Nachdem Marco von seiner einwöchigen Entdeckungsreise nach Dhaka zurückgekommen war und zu meiner großen Erleichterung sogar eine schöne Wohnung gefunden hatte, stürzten wir uns in die berühmten „letzten Male“, die stets den Abschied von einem Wohnort auf Zeit prägen: Ein letztes Mal Fotos vorm Kolosseum machen. Ein letztes Mal Eis in der tollen Gelateria „La Romana“ essen. Ein letzter Pizzeria-Besuch im Park „Villa Torlonia“. Ein letztes Mal die Aussicht auf die römische Altstadt genießen. Ein letztes Mal liebe Freunde bei unserer Abschiedsparty in die Arme schließen. Ein letztes Mal – und gleichzeitig auch zum ersten Mal! – in Rom aus „Storchenhelfer“ lesen…

Es war eine Lesung in besonderem Rahmen: Am 16. Juni lauschten 25 aufmerksame Zuhörerinnen in den schönen Räumlichkeiten der Residenz des chilenischen Botschafters (dessen Frau Deutsche ist) einigen Auszügen aus meinem Roman. Da sich die Bücher, die hinterher verkauft und signiert werden sollten, noch irgendwo auf dem Weg von München nach Rom befanden, hatte ich ein paar Tage später das Vergnügen, ein letztes Mal auf die andere Tiber-Seite zum Vatikan zu fahren. Direkt am Petersplatz, im ersten Stock der Vatikanischen Verlagsbuchhandlung, wo sich die Herder Bücherstube befindet, habe ich einige Ausgaben von „Storchenhelfer“ signiert. Ich kann es immer noch nicht glauben: Mein Roman steht nun in der Vatikanischen Verlagsbuchhandlung! Die katholische Kirche und eine Geschichte über Kinderwunschbehandlung – wer hätte das gedacht?

Ja, ich kann sagen: Nach vier Jahren in Rom fühle ich mich inzwischen tatsächlich heimisch. An der Aufschnitt-Theke im Supermarkt bestelle ich nicht mehr wahllos Scheiben irgendeines der vielen geräucherten oder gekochten Schinken, sondern weiß endlich, dass mir „San Daniele“ und „Gran Biscotto“ am besten schmecken. Ich kann den nervigen Telekom-Mitarbeitern bei ihren penetranten Werbeanrufen die Meinung geigen und lasse mich im Straßenverkehr nicht mehr so leicht einschüchtern. Mir tut es wirklich leid, diese Stadt zu verlassen, die ich doch häufig gar nicht so gern mochte. Aber so ist es ja meistens: Man erkennt erst, wie gut man es hatte, wenn es vorbei ist. Wie oft habe ich über die Eintönigkeit des Essens geflucht und konnte Pizza und Pasta nicht mehr sehen. Gestern Abend allerdings wollte ich noch einmal genau das machen: Eine leckere Pizza essen gehen, denn nun fällt mir der Gedanke schwer, bald nicht mehr in den Genuss italienischer Küche zu kommen.

Danke, Rom, für diese unvergesslichen vier Jahre. Vier Jahre, in denen ich zweifache Mamma geworden bin und zwei Romane geschrieben und veröffentlicht habe. Danke für die Italienischkenntnisse meiner älteren Tochter, die mit ihren Puppen „Kindergarten“ spielt und echt italienisch mit ihren Händen gestikuliert, wenn sie sagt: „No, Luca, non si fa!“ (Nein, Luca, das macht man nicht) oder „Senti? Puzza il panolino!“ (Riechst du das? Die Windel stinkt!). Der Abschied vom Kindergarten steht uns am Mittwoch noch bevor und ich vermute, dass er mir schwerer fallen wird als Elli. Zwar begreift sie mit Sicherheit nicht wirklich, was es bedeutet, nach Bangladesch zu ziehen, aber sie hat einen Weg gefunden, sich auf das Abenteuer zu freuen: Wir haben unserem mit Begeisterung Laufrad fahrenden Kind versprochen, dass es in unserer neuen Heimat ein Fahrrad mit Pedalen bekommen wird. Seitdem bedeutet Bangladesch für Elli „Pedale!“. Manchmal kann Vorfreude so einfach sein. Und Abschiednehmen auch. Momentan wünsche ich mir die Unbedarftheit einer fast Dreijährigen. Als ich mich von meinen Freundinnen verabschieden musste, flossen Tränen. Danke, dass es euch gibt, Kim, Jana Lyn, Kati, Elisabeth, Katrin, Valeria, Irene! Danke für wunderbare, teils anstrengende, teils sehr komische Mütter-Momente in der Ewigen Stadt…

Niemals werde ich die letzten vier Jahre vergessen, Rom. Das Zirpen der Grillen vorm Schlafzimmerfenster, das Kreischen der Möwen über unserer Dachterrasse, das Schrillen der Alarmanlagen so manch einer Wohnung, eines Autos, eines Motorrollers. Oder den Abend am 13. März 2013, als minutenlang all deine Kirchenglocken läuteten, Rom, und klar war: Aus der Sixtinischen Kapelle war weißer Rauch aufgestiegen. Habemus Papam. Nie vergessen werde ich den Duft nach Jasmin und Zitronenblüten und den nach Hundekot in der Augusthitze. Meinen ersten Spaziergang mit Kinderwagen über deine schlechten Gehwege, Rom oder das erste Mal, als ich nachts vom Lärm deiner Müllabfuhr geweckt wurde. Deine Radiosender mit toller italienischer Musik sind für mich ebenso unvergesslich wie der unmögliche Wetterbericht, in dem gern von „jahreszeitengemäßen Temperaturen“ die Rede ist, man aber nie konkrete Zahlen hört.

Danke für den besten Cappuccino, den ich je getrunken, für das beste Eis, das ich je gegessen habe. Danke für all die Fahrtechniken, die man lernt, wenn man auf deinen Straßen unterwegs ist und für die kreativen Park-Ideen, auf die man kommt, wenn man deine Parkhäuser besucht. (In deine Parkhäuser, Rom, passen mit Sicherheit fast doppelt so viele Autos hinein wie in vergleichbare Garagen in Deutschland, wo niemand auf die Idee kommen würde, sämtliche schraffierte Flächen zuzuparken…). Danke für tolle Konzerterlebnisse mit Bruce Springsteen, James Taylor, Toto, Jovanotti, Tiziano Ferro. Letzteren durften wir am vergangenen Samstagabend bereits zum zweiten Mal live im Olympiastadion erleben. Beim ersten Mal im Jahr 2012 war ich mit unserer Älteren schwanger. Unglaublich, wie viel seitdem geschehen ist.

Tiziano Ferro hat es Samstagabend gesungen, begleitet vom Chor tausender Römer: „Ciao!“

Ciao, Roma. Arrivederci. Grazie mille.

Den nächsten Blog-Eintrag gibt es im August aus Bangladesch!