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Leserstimmen zu "Sommer in Atlantikblau"

"Einfach nur traumhaft"

"Das Buch des Sommers"

"Ein Roman wie eine perfekte Sommerbrise"

 

Leserstimmen zu "Mein Ex, die Ewige Stadt und Ich"

"Perfekt zum Abtauchen, Wegträumen und ab und an auch zum Schmunzeln"

Pressestimmen zu "Storchenhelfer"

"Mit STORCHENHELFER spricht Miriam Covi das eher ungewöhnliche Thema der künstlichen Befruchtung an, das sie aber mit einer Menge Humor und dem nötigen Funken Romantik liebevoll verpackt. (...) So ist der Autorin ein unterhaltsamer Liebesroman gelungen, der einen mit den Protagonisten mitlachen und mitleiden lässt, bis er nach vielen Hochs und Tiefs mit dem lang erwarteten Happy-End belohnt wird." LoveLetter, Mai 2015

Leserstimmen zu "Storchenhelfer"

 "Eigentlich ist es ein ernstes Thema, unerfüllter Kinderwunsch. (...) Darf man darüber lachen? Wenn es so liebevoll verpackt ist, wie in diesem Buch, wenn es dann noch ein Happy End gibt, dann darf man!"

Leserstimmen zu "Eine Lüge, die Liebe, meine Familie und ich"

"Was für ein toller Roman - romantisch, lustig und trotz allem auch nachdenklich - ich bin völlig begeistert!"

Begegnung mit dem dritten Geschlecht

Veröffentlicht am 09.09.2015

Gestern hatten wir eine äußerst merkwürdige und auch recht beunruhigende Beinahe-Begegnung – und zwar mit dem „dritten Geschlecht“.

Hier in Bangladesch werden die Angehörigen dieser Gruppe „Hijras“ genannt, gelten nicht als Mann und nicht als Frau. Oft werden sie auch als Eunuchen bezeichnet, obwohl längst nicht alle wirklich kastriert sind. Hijras findet man ebenso in Indien und Pakistan, sie können sowohl Hindus als auch Moslems sein. Was ihnen in allen drei Ländern gemein ist: Sie leben am Rande der Gesellschaft, werden einerseits gefürchtet, andererseits verspottet. Viele müssen ihren Lebensunterhalt als Prostituierte verdienen, da ihnen kaum Berufe offen stehen. Die einzige weitere Einnahmequelle, die sie haben: Sie statten Hochzeitsfeiern und Familien mit Neugeborenen einen Besuch ab und verlangen Geld. Bekommen sie dieses nicht, drohen Beschimpfungen und sogar Verfluchungen. Wie gesagt, Bangladeschis fürchten die Hijras, da man ihnen Zauberkräfte nachsagt – daher will natürlich niemand riskieren, dass Brautpaar oder Baby verflucht werden. Also wird gezahlt.

Gestern waren die Mädels und ich gerade im Begriff, unser Hotel-Apartment zu verlassen, um uns mit einer dänischen Mutter und ihren Kindern zu einem „Playdate“ zu treffen, als Linda, unsere „Ayah“ (= Kindermädchen) aufgeregt aus dem Fenster zum Hoteleingang hinabsah und mir zurief, ich solle bloß in der Wohnung bleiben. Was denn los sei, fragte ich verblüfft. Unten seien Hijras angekommen, erklärte Linda. Ich konnte mit dem Begriff nichts anfangen, also umschrieb sie die ungebetenen Gäste als „Not men, not ladies“. Da verstand ich. Allerdings war mir nicht klar, warum wir unsere Wohnung nicht verlassen sollten.

Linda erklärte mir den Brauch, dass die Hijras Geld von Familien mit kleinen Kindern verlangen – eigentlich hauptsächlich von Familien mit Neugeborenen, aber vermutlich nehmen sie das nicht immer so genau. Einer Nachbarin von Linda sei es passiert, dass sie den ungebetenen Gästen nicht genug Geld gegeben hätte, so dass eine Hijra ihr Baby bei den Füßen gepackt und es kopfüber in die Luft gehalten hätte, bis die Zahlung zufriedenstellend ausfiel. Ich mochte meinen Ohren nicht trauen und wusste überhaupt nicht, wie ich diese Situation einschätzen sollte. Ich hatte noch nie von Hijras und ihren teilweise rabiaten Methoden gehört.

Linda wollte in die Lobby gehen und die Lage auskundschaften. Prompt bestand Elli darauf, mitzugehen. Verunsichert von der Geschichte, die ich gerade gehört hatte, hielt ich sie resolut zurück und sagte mit Nachdruck, sie dürfe jetzt auf keinen Fall das Zimmer verlassen. Natürlich bekam Elli einen Schrecken, weil ihre Mama, die gerade noch mit ihr zum Playdate gehen wollte, plötzlich so streng darauf beharrte, die Wohnung nicht zu verlassen. Sie begann lautstark zu heulen.

Als Linda aus der Lobby zurückkehrte, berichtete sie, dass die Hijras die Rezeption belagerten und wissen wollten, woher das Kindergeschrei kam, das man natürlich bis nach unten hörte (wir wohnen leider im ersten Stock…). „Ihr habt Kinder im Hotel, ihr müsst uns zu ihnen lassen!“, sollen sie immer wieder gerufen haben. Nun bekam ich es wirklich mit der Angst zu tun. Ich hatte noch nicht einmal viel Bargeld in meinem Portemonnaie, was, wenn ihnen der Betrag nicht reichen würde? Ich sah Mia schon kopfüber in der Luft baumeln, als Linda vom Fenster her verkündete, dass sie abfahren würden. Ich spähte zwischen den Vorhängen hindurch und sah vier „Not men, not ladies“, die in wartende Fahrrad-Rikschas stiegen. Sie sahen ziemlich harmlos aus, wie Männer in Frauenkleidern, nicht sonderlich geschminkt, nicht sehr hübsch. Plötzlich hatte ich Mitleid mit ihnen. Was für ein Leben, am Rande der Gesellschaft.

Später erfuhr ich, dass die Hijras nur deshalb abgezogen waren, weil das Hotel ihnen Geld gezahlt hatte. Auf dem Weg zu unserem Playdate (zu dem wir eine halbe Stunde zu spät erschienen) berichtete mir unser Fahrer, auch er habe nach der Geburt seiner Tochter Geld zahlen müssen. Die Polizei würde nie helfen, die halte sich von den Hijras fern.

Als Marco diese Geschichte im Kollegenkreis erzählte, hieß es, dass man noch nie von Hijra-Besuchen in westlichen Hotels gehört habe. Ich habe keine Ahnung, ob das Grüppchen zufällig vorbeigekommen ist und sein Glück versucht hat, oder ob die Hijras irgendwann gesehen hatten, wie die Kinder und ich das Hotel betreten oder verlassen haben.

Ich hoffe nur, dass sie nicht wiederkommen.