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Leserstimmen zu "Sommer in Atlantikblau"

"Einfach nur traumhaft"

"Das Buch des Sommers"

"Ein Roman wie eine perfekte Sommerbrise"

 

Leserstimmen zu "Mein Ex, die Ewige Stadt und Ich"

"Perfekt zum Abtauchen, Wegträumen und ab und an auch zum Schmunzeln"

Pressestimmen zu "Storchenhelfer"

"Mit STORCHENHELFER spricht Miriam Covi das eher ungewöhnliche Thema der künstlichen Befruchtung an, das sie aber mit einer Menge Humor und dem nötigen Funken Romantik liebevoll verpackt. (...) So ist der Autorin ein unterhaltsamer Liebesroman gelungen, der einen mit den Protagonisten mitlachen und mitleiden lässt, bis er nach vielen Hochs und Tiefs mit dem lang erwarteten Happy-End belohnt wird." LoveLetter, Mai 2015

Leserstimmen zu "Storchenhelfer"

 "Eigentlich ist es ein ernstes Thema, unerfüllter Kinderwunsch. (...) Darf man darüber lachen? Wenn es so liebevoll verpackt ist, wie in diesem Buch, wenn es dann noch ein Happy End gibt, dann darf man!"

Leserstimmen zu "Eine Lüge, die Liebe, meine Familie und ich"

"Was für ein toller Roman - romantisch, lustig und trotz allem auch nachdenklich - ich bin völlig begeistert!"

Kindergarten in Bangladesch

Veröffentlicht am 06.09.2015

„Morgen gehst du in deinen neuen Kindergarten“, sagte ich am Sonntag vor einer Woche zu Elli, unserer älteren Tochter. Am Montag würde es für ihre kleine Schwester Mia und sie zum ersten Mal in den Kindergarten in Dhaka gehen. Für Mia würde es noch dazu der allererste Kindergartentag überhaupt sein. Unser Nesthäkchen, ein Kindergartenkind!

Elli nickte und verkündete mit strahlenden Augen: „Giacomo und Luca auch! Und Sharon! Und Liria!“ Mit Giacomo und Luca hatte sie in ihrem römischen Kindergarten stets gespielt, Sharon und Liria waren ihre dortigen Kindergärtnerinnen gewesen. Ich schluckte. „Nein, mein Schatz, Giacomo und Luca und Sharon und Liria sind doch in Rom. Aber wir sind hier in Bangladesch und du kommst morgen in einen neuen Kindergarten. Dort gibt es auch viele nette Kinder und ganz bestimmt liebe Kindergärtnerinnen wie Sharon und Liria.“ Elli wirkte nicht wirklich überzeugt, erwähnte bis zum Schlafengehen noch ein paar Mal ihre alten Spielkameraden. Später am Abend saß ich unglücklich auf dem Sofa. Es rührte mich, dass Elli – nach einem langen Sommer in Kanada, in dem ihre römischen Freunde nie erwähnt worden waren – nun wieder von ihrem alten Kindergarten sprach. Plötzlich vermisste auch ich diesen Kindergarten, die vertraute Umgebung, die herzlichen Erzieherinnen, Ellis Freunde und deren Eltern, mit denen ich so manche Stunde auf den Bänken des Kindergartenspielplatzes verbracht hatte. Auch dort, in Rom, würden in der ersten Septemberwoche die Kleinen nach dem langen Sommer in den Kindergarten zurückkehren. Giacomo und Luca würden vielleicht fragen, wo Elli ist. Ich verdrückte ein paar Tränen. Nicht nur wegen dieser plötzlichen Heimweh-Attacke, sondern auch, weil ich mir Sorgen machte. Ein Kindergarten in Bangladesch, betrieben von Einheimischen – meine arroganten Vorurteile ließen mich befürchten, dass es hygienische Mängel geben würde, dass unsere Kinder nicht gut aufgehoben sein würden, dass man womöglich hauptsächlich Bangla und nicht Englisch mit ihnen sprechen würde.

Am kommenden Morgen zogen unsere Mädels voll Begeisterung mit ihren neuen Rucksäcken los, ihre gleichzeitig besorgte und gerührte Mama im Schlepptau. Es folgte eine überaus herzliche Begrüßung (in einwandfreiem Englisch!) von der Kindergartenleiterin und vielen netten Kindergärtnerinnen. Für unsere Mäuse stand Erzieherin Parveen als „School Mum“  bereit, die sie in Empfang nahm und während der einen Stunde, die sie am ersten Tag blieben, durchgängig begleitete. Während dieser Stunde saß ich in der Gesellschaft eines amerikanischen und eines brasilianischen Vaters auf der Veranda und trank Kaffee. Dabei wanderten meine Gedanken erneut zurück zu einem anderen Kindergarten, zu einer anderen Eingewöhnungswoche: Vor einem Jahr, ebenfalls Anfang September, hatte ich in der Gesellschaft von zwei römischen Müttern in einer „Bar“ in der Nähe von Ellis italienischem Kindergarten gesessen und Cappuccino getrunken, während meine Ältere sich an ihre neue Spielumgebung gewöhnt, sich mit Giacomo und Luca angefreundet hatte. Nun, ein Jahr später, ging nicht nur Elli in einen neuen Kindergarten, sondern auch ihre kleine Schwester. Wo war bloß die Zeit geblieben?

Ich beobachtete meine Mädels, die in dem fröhlichen Durcheinander aus spielenden Kindern umherliefen, als wären sie nie woanders gewesen. Sogar die kleine Mia, zum ersten Mal in einem Kindergarten, spielte sorglos und begeistert. Sicherlich war es ein großer Vorteil, dass wir in unserem Hotel derzeit nur eine begrenzte Auswahl an mitgebrachtem Spielzeug haben, so dass die Puppenwagen und Spielautos, der Tisch mit der Knete und die Staffelei zum Malen, die Schaukel im Garten und die Rutsche im Innenbereich, die Puppenküche und das Spielhaus das Paradies auf Erden für unsere zwei Zwerge darstellte. Als sich die Kinder und Erzieherinnen dann in einen Kreis auf den Boden setzten und englische Kinderlieder wie „The wheels on the bus go round and round“ sangen, strahlte mich Elli durch den Raum hinweg an. Auch in ihrem römischen Kindergarten (mit Italienisch und Englisch eine bilinguale Einrichtung) hatten sie diese Lieder gesungen, so dass sie mühelos und mit großer Begeisterung einstimmen konnte. Nur Mia machte nicht mit beim Liedersingen: Sie schob lieber weiterhin den Puppenwagen durch die Gegend.

Auch an den kommenden zwei Vormittagen trank ich auf der Kindergarten-Veranda Kaffee, während Elli und Mia durch die gepflegten und liebevoll gestalteten Räume tobten, Parveen immer in ihrer Nähe, um zur Stelle zu sein, falls sich eine der beiden weh tat, Kummer hatte oder einfach etwas trinken wollte. Meine Sorge, der Kindergarten könnte nicht europäischem Standard entsprechen, erwies sich als völlig unbegründet. Allein die vielen Erzieherinnen, die sich rührend um die Kleinen kümmern, sorgen dafür, dass es keinem Knirps an etwas fehlen kann: Für die rund 60 Kinder sind 22 Kindergärtnerinnen zuständig, so dass ungefähr drei Kinder von einer Erzieherin zu betreuen sind. Von so einem Betreuungsschlüssel träumt sicher so manche deutsche Kollegin… Nur um einen Punkt mache ich mir nach wie vor Sorgen: Die Türen stehen ständig offen, so dass die Kinder zwischen dem tropischen Garten mit seinen Spielgeräten und dem Haus ungehindert hin- und herlaufen können. Doch auch die Mücken gelangen somit ungehindert in die Räume. „Reibe deine Kinder gut gegen Mücken ein, bevor sie morgens hierherkommen“, riet mir die Kindergartenleiterin am ersten Morgen. „Wir cremen die Kinder nach einiger Zeit erneut ein. Trotzdem werden sie hin und wieder mit Mückenstichen nach Hause kommen.“ Sie lächelte mich an. „Aber mach dir bitte keine Sorgen.“

Tja, leichter gesagt als getan. Ich creme also wie eine Weltmeisterin, bevor die Mädels morgens in ihr Kindergarten-Abenteuer starten. Diese ewige Mücken- und Dengue-Fieber-Angst wird mich wohl noch einige Zeit begleiten und sich womöglich während unserer Zeit in Dhaka nie vollständig legen. Aber zumindest die Sorge, meine Mädels könnten sich in ihrem neuen Kindergarten aufgrund der fremden Sprache und exotischen Umgebung unwohl fühlen, ist verflogen. Nach dem zweiten Tag hörte ich, wie Elli nachmittags im Hotel zu ihrer kleinen Schwester sagte: „Sit down on your knees, please!“ Ich staunte nicht schlecht. Zwar hatte auch in ihrem römischen Kindergarten Erzieherin Sharon nur Englisch mit den Kleinen gesprochen, doch bislang hatte Elli zu Hause hauptsächlich eine Mischung aus Deutsch und Italienisch geplappert. Nun wird es also nur eine Frage der Zeit sein, bis ihre kleine Schwester und sie sich auf Englisch unterhalten…

Am Ende der letzten Woche erwähnte unsere Ältere noch einmal mit einer gewissen Wehmut Giacomo und Luca. Doch zum Wochenstart am heutigen Sonntag zog sie trotz allem wieder voll Begeisterung los, ihre kleine Schwester im Schlepptau. Für Mama gab es kaum Gelegenheit, sich am Tor zu verabschieden, so schnell rannten die Mäuse zu den wartenden Spielautos, mit denen sie durch den Garten cruisen wollten. Als ich sie mittags abholte, winkte mich die Kindergartenleiterin zu sich ins Büro. Ich erschrak  – war etwas passiert? Hatte eine meiner Mäuse einen Tobsuchtsanfall bekommen? Hatten sie andere Kinder gehauen, getreten, gebissen? Hatte eines der Mädels geweint? Aber nein, die Leiterin zückte ihr Smartphone und zeigte mir ein Video, das sie während des „Singing Circle“ aufgenommen hatte: Alle Kinder saßen im Kreis und sangen – und in der Mitte: Mia, die als Einzige begeistert in die Hände klatschte und tanzte…

Ja, die Mädels scheinen sehr gut in ihrem neuen Kindergarten und in ihrer neuen Heimat Bangladesch angekommen zu sein. Besser als ihre Mama, die sich regelmäßig nach einem Cappuccino in einer römischen Bar sehnt…